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  • Nachfolgemonitor 2026: Frauenanteil auf Rekordtief

20.10.2026

Deutschlands Mittelstand steht vor einem schwierigen Generationswechsel. Immer weniger Nachfolger treffen auf immer mehr übergabereife Unternehmen. Besonders auffällig sind der historisch niedrige Frauenanteil und die steigenden finanziellen Anforderungen.

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©cirquedesprit/fotolia.com

Deutschlands Mittelstand gerät bei der Unternehmensnachfolge zunehmend unter Druck. Die geburtenstarken Jahrgänge erreichen das Übergabealter, während aus den jüngeren Generationen deutlich weniger potenzielle Nachfolger nachrücken. Zugleich stehen viele Betriebe vor der Herausforderung, notwendige Investitionen nachzuholen. Der Nachfolgemonitor 2026 zeigt, wie angespannt die Lage ist: 2024 erreichten die im Datensatz erfassten Unternehmensübergaben einen historischen Tiefstand. Das mittlere Alter der Übergebenden liegt inzwischen bei 64 Jahren, während der Frauenanteil unter den Übernehmenden 2025 auf den historischen Tiefstand von 18,9 % gesunken ist. Wer einen Betrieb übernimmt, muss zudem häufig nicht nur den Kaufpreis finanzieren, sondern auch in dessen Modernisierung investieren.

Nachfolgelücke ist längst kein abstraktes Problem mehr

Die demografische Nachfolgelücke verschärft den Handlungsdruck. Ein erheblicher Teil der Übergaben erfolgt erst im fortgeschrittenen Alter. Zugleich sind mehr als vier von zehn Übernehmenden zwischen 30 und 39 Jahre alt. Viele Babyboomer treffen damit auf zahlenmäßig kleinere Nachfolgegenerationen. „Die Nachfolgelücke ist längst kein abstraktes demografisches Problem mehr. Sie entscheidet ganz konkret darüber, ob wirtschaftlich tragfähige Betriebe weitergeführt werden oder vom Markt verschwinden. Je später die Übergabe angegangen wird, desto schwieriger werden Nachfolgersuche und Finanzierung. Deshalb müssen wir deutlich früher über Nachfolge sprechen – bevor aus Zeitdruck ein Existenzproblem für den Betrieb wird“, Guy Selbherr, Vorsitzender des Verbands Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB).

Frauen bleiben das größte ungenutzte Nachfolgepotenzial

Besonders brisant ist die Entwicklung bei den Frauen. Ihr Anteil unter den Übernehmenden fiel 2025 auf 18,9 % – historischer Tiefstand und erstmals weniger als ein Fünftel. 2017 waren es noch 22,9 %. Dabei fällt die typische Übernahmephase genau in die „Rushhour des Lebens“: Die größte Gruppe der Nachfolgenden ist zwischen 30 und 39 Jahre alt. Unternehmensübernahme, berufliche Entwicklung und Familiengründung konkurrieren um dieselben Jahre.

„Wenn weniger als jede fünfte Übernahme von einer Frau erfolgt, können wir das nicht als Randthema behandeln. Angesichts der demografischen Lücke können wir es uns schlicht nicht leisten, auf einen so großen Teil des unternehmerischen Potenzials zu verzichten. Wer mehr Nachfolgerinnen gewinnen will, muss die Bedingungen für Finanzierung und die Vereinbarkeit von Unternehmertum und Familie verbessern“, sagt Prof. Dr. Holger Wassermann, wissenschaftlicher Leiter des KCE KompetenzCentrum für Entrepreneurship & Mittelstand der FOM Hochschule.

Hinzu kommt: Nachfolge wird immer häufiger zur Solo-Aufgabe. 81,2 % der Übernahmen wurden 2025 von Einzelpersonen gestemmt. Team-Nachfolgen bleiben die Ausnahme.

Der Kaufpreis ist erst der Anfang

Wer einen Betrieb übernimmt, übernimmt häufig auch einen über Jahre aufgelaufenen Investitions- und Modernisierungsbedarf. Das zeigt sich in der Ertragsentwicklung nach der Übergabe: Bei 52,9 % der untersuchten Unternehmen steigt das EBITDA, also das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Gleichzeitig verzeichnen 54,1 % einen Rückgang des EBIT, das die Abschreibungen bereits berücksichtigt. Diese gegenläufige Entwicklung deutet darauf hin, dass das operative Geschäft in vielen Betrieben weiterhin tragfähig ist, die Ertragslage jedoch durch nachgeholte Investitionen belastet wird. Denn neue Maschinen, IT-Systeme oder Digitalisierungsmaßnahmen verursachen zusätzliche Abschreibungen, die das EBIT zunächst schmälern. Unternehmensnachfolger müssen damit häufig nicht nur den Kaufpreis finanzieren, sondern zugleich in die Zukunftsfähigkeit des übernommenen Betriebs investieren.

Das verschärft die Finanzierung: Rund 77 % des erfassten Finanzierungsbedarfs einer Nachfolge entfallen auf den Kaufpreis. Für Modernisierung, Betriebsmittel und Wachstum muss zusätzlich Kapital vorhanden sein. „Ein tragfähiges Geschäftsmodell allein reicht für eine erfolgreiche Nachfolge nicht. Unsere Daten zeigen, dass viele Übernehmende nach dem Einstieg erheblich investieren müssen. Wenn ein hoher Kaufpreis auf Modernisierungsbedarf und knappe Finanzierungsspielräume trifft, wird Liquidität schnell zum Engpass. Umso wichtiger ist, den Kapitalbedarf nicht nur bis zum Kauf, sondern für die ersten Jahre danach realistisch zu planen“, sagt Stephan Schütrumpf, Sales Director der Creditreform Gruppe.

Dabei zeigt der Nachfolgemonitor auch die andere Seite: Neues Management kann Unternehmen stabilisieren. Mehr als die Hälfte der Betriebe mit zuvor schwacher Bonität verbessert sich nach dem Eigentümerwechsel. Nachfolge kann damit wirtschaftliche Substanz nicht nur erhalten, sondern auch neue Entwicklung ermöglichen.

Der Nachfolgemonitor

Der Nachfolgemonitor basiert auf den realen Unternehmensdaten aus den Datenbanken der deutschen Bürgschaftsbanken und von Creditreform. Die in allen Bundesländern bestehenden Bürgschaftsbanken dienen der Förderung der mittelständischen Wirtschaft und werden in der Regel von regionalen Akteuren wie den Handwerkskammern, den Industrie- und Handelskammern, mittelständisch orientierten Kreditinstituten und Verbänden getragen. Mit dem Nachfolgemonitor wollen der Verband Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB), die Creditreform Rating AG und das KompetenzCentrum für Entrepreneurship & Mittelstand der FOM Hochschule (KCE) sowie die FH Salzburg dazu beitragen, den Mittelstand bei der Gestaltung erfolgreicher Nachfolgeregelungen effektiv zu unterstützen.


Verband Deutscher Bürgschaftsbanken e.V. (VDB) vom 13.10.2026 / RES JURA Redaktionsbüro (vcd)

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