• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • SCHUFA-Meldung rückständiger Forderungen kann gegen DSGVO verstoßen

03.12.2024

Die Einmeldung rückständiger Forderungen bei Wirtschaftsauskunfteien kann gegen die Datenschutz-Grundverordnung verstoßen, wenn sich streitige Haupt und Nebenforderungen nicht klar voneinander trennen lassen.

Beitrag mit Bild

©marog-pixcells/fotolia.com

Das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein entschied mit Urteil vom 22.11.2024 (17 U 2/24), dass eine unrechtmäßige Übermittlung von Forderungsdaten an die SCHUFA widerrufen werden muss. Die Meldung undifferenzierter Forderungssummen kann die Rechte des Schuldners verletzen.

Zum Hintergrund des Falls

Der Kläger geriet 2014 in Zahlungsverzug bei einem Energieversorger, woraufhin dieser den Vertrag kündigte und offene Beträge meldete. Eine Inkassofirma übernahm die Forderung und meldete 2021 eine Gesamtsumme von 828,61 Euro als Negativeintrag bei der SCHUFA. Die Meldung enthielt unklare Positionen wie Mahn- und Überweisungsgebühren. Der Kläger machte später Verjährung geltend und verlangte die Löschung des Eintrags, da ihm Vertragsabschlüsse verweigert wurden.

Rechtswidrigkeit der Meldung

Der 17. Zivilsenat des OLG Schleswig-Holstein stellte fest, dass die Meldung der offenen Gesamtforderung nicht rechtmäßig war. Positionen wie Mahngebühren oder Nichterfüllungsschäden sind Nebenforderungen, die nicht zur fristlosen Kündigung berechtigen. Solche unklaren Beträge dürfen nicht ohne Prüfung der Hauptforderung gemeldet werden.

Schutz personenbezogener Daten überwiegt

Gemäß Art. 6 Abs. 1 DSGVO wiegt der Schutz der Daten des Klägers schwerer als das Interesse der Inkassofirma. Insbesondere da die Forderung verjährt war, durfte der Kläger nicht mehr mit einer Datenverarbeitung rechnen.

Der Senat sah keinen kausalen Zusammenhang zwischen der SCHUFA-Meldung und dem Scheitern von Vertragsabschlüssen des Klägers. Frühere Bonitätsprobleme wie eine Vermögensauskunft und eine Insolvenz hatten den SCHUFA-Score zusätzlich belastet.

Fazit

Das Urteil stärkt die Rechte von Verbrauchern gegen undifferenzierte Datenmeldungen an Wirtschaftsauskunfteien. Unternehmen sind verpflichtet, Forderungen sorgfältig zu prüfen und transparente Meldungen vorzunehmen.

Die Revision ist zugelassen.


OLG Schleswig-Holstein vom 28.11.2024 / RES JURA Redaktionsbüro (vcd)

Weitere Meldungen


Meldung, Wirtschaftsrecht

©interstid/fotolia.com

29.08.2025

Eine Anlegerin wollte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für ihre Verluste mit Wirecard-Aktien verantwortlich machen und scheiterte.

weiterlesen
Kein Schadensersatzanspruch einer Wirecard-Aktionärin gegen die BaFin

Meldung, Wirtschaftsrecht

©Olivier Le Moal / istockfoto.com

28.08.2025

Googles Prozentangaben zu Emissions-Einsparpotenzialen bei Flügen sind Schätzgrößen und ohne weitere Hinweise darauf irreführend, so das LG Berlin.

weiterlesen
Google Flights: Angaben zur Emissionseinsparung irreführend

Meldung

©jirsak/123rf.com

27.08.2025

Apple darf nicht mehr mit langfristiger CO₂-Kompensation für seine Smartwatch werben. Die Werbung sei irreführend und verstoße gegen das Wettbewerbsrecht.

weiterlesen
Apple Watch darf nicht als „CO2-neutrales Produkt“ beworben werden

Meldung

gorlov1985/123rf.com

26.08.2025

Die Umsetzung des EU-Bankenpakets hat das Ziel, die Bankenlandschaft krisenfester, nachhaltiger und wettbewerbsfähiger zu gestalten.

weiterlesen
EU-Bankenpaket: Krisenfester, schlanker, nachhaltiger
Wirtschaft und Wettbewerb - Zeitschrift und Cover

Haben wir Ihr Interesse für WIRTSCHAFT und WETTBEWERB geweckt?

Sichern Sie sich das WuW Gratis Paket: 2 Hefte + Datenbank